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Die Universität Bremen untersucht den Einfluss der Stasi auf westdeutsche Hochschulen
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Es ist noch gar nicht lange her, da galt die Bremer Universität als „linke Kaderschmiede“. Mit „links“ waren in diesem Zusammenhang nicht etwa Grüne und Sozialdemokraten gemeint, sondern Marxisten, Trotzkisten und Maoisten, die gern für den Studierendenrat der erst 1971 gegründeten Hochschule kandidierten und für die DDR mehr Sympathien hegten als für den Staat, der ihnen das Studium ermöglichte.

Ob und wieweit diese Sympathie zu tatsächlicher Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR führte – das zu ermitteln ist nun der Historiker Thomas Großbölting angetreten. Die Initiative dazu ging vom Bremer Uni-Rektor Wilfried Müller aus: „Mir geht es darum aufzuarbeiten, welchen Einfluss die Staatssicherheit der DDR an Hochschulen in der Bundesrepublik hatte, auch an meiner eigenen Universität“, zitiert ihn die Bremer Uni in einer Presseerklärung.

Eine solche Untersuchung ist ein (begrüßenswertes) Novum und könnte zweifellos auch unangenehme Erkenntnisse über den einen oder anderen Fakultätsmitarbeiter zum Vorschein bringen. Aber Großbölting betont, der Fokus des Vorhabens liege auf der Analyse des MfS-Einflusses, es gehe „nicht um Namen“.

Nach Meinung des Forschers waren die Universitäten vor allem als Rekrutierungsbasis für „Perspektiv-IMs“ interessant. Man habe versucht, Personen anzuwerben, die eine Nähe zu „linken Positionen“ pflegten, aber noch nicht politisch in Erscheinung getreten waren. Insbesondere habe sich die Stasi für Absolventen interessiert, die in sensible Berufe einstiegen.

Den Ruf der „roten Uni“ hat die Bremer Hochschule längst abgestreift. Im Vergleich mit anderen Universitäten hat sie eine positive Entwicklung genommen, was unter anderem daran zu erkennen ist, dass sie seit Juni 2012 zu den elf deutschen Hochschulen zählt, die im Rahmen der Exzellenzinitiative zur Förderung von Wissenschaft und Forschung mit der höchstdotierten Förderlinie ausgezeichnet wurden.

kdh

1. September 2012
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